Kurze Gemeinschaften

Schöne Erinnerungen an kurze Gemeinschaften auf langen Reisen. Man kam in einem Hostel an. Es lag an einem Fluss und versprach Hängematten auf der Veranda. Es lag zu Füßen Mount Warnings, dem östlichsten Punkt Australiens: Dort ging zuerst die Sonne auf. Für die Aboriginals ist es ein heiliger Ort, ein eintausend Meter hoher Vulkanschlot namens Wollumbin. James Cook nannte ihn 1770 Mount Warning, weil vor der Küste ein gefährliches Riff liegt.
Eine kleine Gemeinschaft bildete sich, die in der Nacht Mount Warning besteigen wollte, um den Sonnenaufgang zu sehen. Die Optionen waren Auto oder Bus, um zwei oder um drei, mit Taschenlampen oder ohne. Ich wollte nicht mit, ich wollte nur in der Hängematte auf der Veranda liegen und lesen.
Die Gruppe brauchte Taschenlampen, der Leiter des Hostels hatte welche, nur Batterien mussten noch besorgt werden, außerdem Wasser, Obst, Trockenfrüchte, Sandwiches, Kekse und Schokolade.
Um zwei Uhr morgens zog jemand aus Zimmer 1 an meinem Arm. „Es geht los.“ Erst wehrte ich ab, dann reizte es mich doch. Im Frühstücksraum dröhnte mir das dröhnende „Guten Morgen!“ eines Schotten entgegen, dass es mir durch Mark und Bein ging.
Wir fuhren mit dem Auto zum Parkplatz des Berges. Die Gruppe legte ein flottes Tempo vor. Ich blieb mit dem Schotten zurück. Er zeigte mir ein paar Sternbilder, aber sein Wissen schien mir nur rudimentär zu sein. Doch er war von echtem Enthusiasmus erfüllt, das gefiel mir.
Die letzten fünfzig Meter des Aufstieges brachten mich fast um. Man musste sich an dicken Seilen hochhangeln. Auch Ian ließ sich Zeit. Und drehte sich immer wieder um, ob ich auch mitkam.
Oben angekommen, hatten wir noch zehn Minuten Zeit bis zum Sonnenaufgang. Die Lebensmittel und Getränke wurden in alle Richtungen verteilt, auch zwei Einzelwanderer wurden einbezogen.
Schließlich tauchte rechts Byron Bay im Morgendunst auf und links die Gold Coast mit Surfer´s Paradise. Es war zum Niederknien.
Als wir um acht Uhr morgens zurück ins Hostel kamen, waren die Hängematten auf der Veranda noch leer und wir legten uns hinein.
Ein Australier erzählte einen Witz:
„Wisst ihr schon, dass die Australier viel Forschungsgelder in das Projekt stecken, Trockenfrüchte auf Bäume zu ziehen?“
„Trockenfrüchte auf Bäumen? Ernsthaft?“, fragte ich.
„Warum das ganze Wasser im Obst? Wir Australier nennen es die dry condition.“

Am nächsten Tag zerstreute unsere kleine Fünfergruppe sich für die Weiterreise in alle Richtungen. Kurze Gemeinschaften. Unmatched.

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