Wenn ich immer lese,

dies und das sei eine „sehr deutsche Eigenschaft“ – und dann aufgezählt Selbstgerechtigkeit, Selbstgefälligkeit, Selbsterhöhung, Nicht-über-den-Tellerrand schauen, Mangel an Selbstironie, Kritikunfähigkeit, Mangel an Abstand – dann frage ich mich immer, ob die jemals im Ausland waren. Oder wahlweise Nachrichten geschaut haben. Oder Youtube.

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Vielleicht schaffe ich den Rest allein. Kurzgeschichten von Alice Munro

Alice Munros Geschichten sind unzweifelhaft, einfach, wahr. Eine von ihnen – es ist eine ältere, bereits 1982 erschienen – dreht sich um zwei Frauen im Altersheim in einer Kleinstadt in Kanada: Mrs. Cross und Mrs. Kidd. Sie kennen sich aus dem Kindergarten, das ist 80 Jahre her. In der Zwischenzeit haben sie ihre Leben gelebt, Kinder bekommen und ihre Männer verloren. Aber noch zählen sie zur A-Klasse im Altersheim: Zwar können sie nicht mehr laufen, aber immerhin noch Rollstuhl fahren, was sie da in die Pole-Position bringt.

Mrs. Cross und Mrs. Kidd besuchen Freunde und Familie in anderen Stockwerken und spielen mit ihnen Scrabble. Eines Tages gibt es einen Neuzugang, einen 59-jährigen Mann, wahrscheinlich Journalist, so genau weiß man das nicht. Aber interessant. Er hatte einen schweren Schlaganfall – „so jung!“ – und ist halbseitig gelähmt. Noch ist er entsetzt über seinen eigenen Zustand und fängt dauernd zu weinen an. Er kann kaum mehr sprechen und nicht mehr schreiben.

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Veranstaltungstipp: Tobias Gohlis und Thomas Wörtche laden zu einer großen kritischen Bestandsaufnahme zur Lage der Kriminalliteratur ein. Es diskutieren Verlagsleute, Autoren, Übersetzer, Literaturagenten, Buchhändler, Kritiker und nicht zuletzt Fans und Leser.

Das Programm:

Freitag, 12. April 2013

10:30 Welcome
Begrüßung und Thesen zur Einführung: „Der Stand der Dinge“ Tobias Gohlis/Thomas Wörtche
11:00 – 13.15 Die verlegerische Situation (Panel)
Wie können sich Programm-Macher in Konzern-Verlagen bewegen, resp. können sie das überhaupt – Marcus Nägele (Programmchef Heyne-TB und -Hardcore)
Welche Akquise-Systeme können sich kleinere/mittlere Indies leisten und was heißt das für die Programmarbeit – Ulrike Rodi (Verlagsleiterin Grafit)
Wie überlebt man als Fan/Kult/Mini-Verlag gegen die oder mit den großen Maschinen – Else Laudan (Verlegerin Ariadne/Argument) und Frank Nowatzki ( Verleger Pulp-Master)
Gibt es überhaupt das Segment Spannungsliteratur und welche Rolle spielt es im Literaturmarkt – Michael Roesler-Graichen (Redakteur Börsenblatt, MVB)

13:15 – 14:30 Mittagspause

14:30 – 17:00 National, international, scheißegal – entwickelt sich der Krimi in Deutschland zur kunstbluttriefenden Provinzposse? (Panel)
Ist der Regio-Krimi der wahre deutsche Kriminalroman? – Hejo Emons (Verleger Emons Verlag)
Schlechte Lektorate, mangelhafte Übersetzungen, irre (-führende) Paratexte als Ergebnis von Verlagsalltag und Produktionszwängen? Über die tatsächliche Programmkompetenz der Lektoren – Peter Hammans (Lektor Droemer/Knaur)
War früher alles besser? Wie unterscheidet sich das alte vom neuen Verlegen – René Strien (Verleger Aufbau)
17:00 – 17:15 Pause

17:15 – 18:30 Publikumsgespräch

20:00 Lesung der Autoren Gerhard Seyfried, Zoe Beck, D. B. Blettenberg
Drei sehr verschiedene Autoren, drei Stimmen deutscher Kriminalliteratur. Hier zeigt sich dreimal, was deutscher Krimi so kann.

Die Autorenlesung kostet 5 / 3 € Eintritt. Die Abendkasse ist ab 19.00 geöffnet.

Samstag 13. April 2013 Markt & Kreative & Kritik

10:00h Einführung Tobias Gohlis/Thomas Wörtche

10:30 – 12:45 Markt – Handel – Autor. Verwertung als Programm (Panel)
Diktieren Marketing, internationale Medienkonzerne, online-Handel, E-book und E-Publishing, was Kriminalliteratur ist und wer sie liest? Michael Meller (Literatur-Agent)
Neue Methoden der Leserbindung: Virales Marketing – Thomas Zorbach (Geschäftsführer VM People)
Wie stellen sich alle Problemlagen vom point-of-view des Spartenbuchhandels dar – Christian Koch (Buchhändler, Hammett-Berlin)
Autonomer Urheber oder Lohnschreiber? Wie beurteilt die berufsständische Organisation der Kriminalschriftsteller die Situation – Reinhard Jahn (Autor und Vertreter des Autorenverbands „Das Syndikat“)
Die Blogosphäre – zwischen literarischer Parallelgesellschaft, Meinungsdienstleistung und Bürgerexpertentum. Thomas Klingenmaier (Stuttgarter Zeitung, „Killer&Co“)

12:45 – 14:15 Mittagspause

14:15 – 17:30 Am Anfang und am Ende: Autoren und Übersetzer (Panel)
Wie sehen Autoren verschiedenen Zuschnitts und verschiedener Generation die Lage – D.B. Blettenberg, Oliver Bottini (Autoren)
Welchen Impact hat der Verbund all dieser Themen auf ein diversifiziertes Berufsbild – Henrike Heiland aka Zoë Beck (Autorin, Übersetzerin, Redakteurin ….)
Die Rolle der Übersetzer – Conny Lösch (Übersetzerin)

Pause
16:15 – 17:30 Und die Kritik
Welche Rolle spielen die fachspezifische Literaturkritik und Literaturwissenschaft für Geschmacksbildung, Qualitätsdiskussion und Titel-Auswahl – Kolja Mensing (Kritiker, Deutschlandradio Kultur), Thekla Dannenberg (Kritikerin, Perlentaucher) Ulrich Noller (Kritiker, u.a. WDR), Jochen Vogt (Literaturwissenschaftler, Kritiker, WAZ) – (alle KrimiZEIT-Bestenlisten-Jury).
Und wie wirkt die Kritik auf Verlagsentscheidungen? Winfried Hörning (Programmleiter TB Suhrkamp)
Moderation Nele Hoffmann (Literaturwissenschaftlerin, Uni Göttingen)
Im Anschluss großes Plenum mit Fragen & Antworten & Perspektiven für Publikum und Teilnehmer, open end …

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Jorge Semprun, Was für ein schöner Sonntag

„Es kommt zuweilen vor, dass ich sehr empfänglich für Kontraste bin. Dass ich davon zutiefst angerührt werde, ich meine damit, dass sie meine Sinne verwirren. Das sie mich treffen, meine ich. Im Laufe dieser Jahre ist das oft passiert. Zum Beispiel der Kontrast zwischen irgendeinem heftigen Glück, sei es auch flüchtig und vergänglich, doch immerhin herzergreifend, und der plötzlich wiedergekehrten Erinnerung – wegen dieses Glücks? – an einen Augenblick im Lager. An einen Augenblick der Qual, inmitten der geräuschvollen, zappelnden, dichtgedrängten, feindlichen Menge nachts im Schlafsaal. An einen Augenblick der Wahnvorstellung angesichts der so banal schönen Landschaft der Thüringer Ebene.“

Semprun liebte Goethe. er saß im Lager und fragte sich, was Goethe zu Eckermann über das Lager gesagt hätte. Er beschreibt, wie die SS – nicht religiös motiviert – am Sonntag nachmittag besseres Essen austeilte.

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The Next Big Thing Blog Hop

The Next Big Thing Blog Hop ist eine Möglichkeit für Autoren (in der ganzen Welt) zu berichten, an welchem Projekt sie gerade arbeiten. Sie beantworten 10 Fragen zu ihrem nächsten Buch. Zusätzlich erwähnen Sie die Person, die sie vorgeschlagen hat, und nennen selbst Autoren/Autorinnen, die als Nächstes die Fragen beantworten.

Mit Dank an Anne Kuhlmeyer, die mir das *Stöckchen* zuwarf!

Was ist der Arbeitstitel Ihres Buchs?
Ich habe noch keinen (neuen). Der alte wurde mir durch die Bekanntgabe Papst Benedikts XVI, von seinem Amt zurückzutreten, ruiniert.

Woher kam die Idee für das Buch?
Ich muss die Idee/den Plot gerade umschreiben, wegen der Bekanntgabe Papst Benedikts XVI, von seinem Amt zurückzutreten.
Ich brauche neben der Kriminalhandlung einen roten Faden, an dem ich mich entlang schreibe und der sich durch das ganze Buch zieht. In meinem ersten Krimi „Love@Miriam“ war das Facebook.

Nun wird es wieder etwas was Ähnliches sein. Momentan muss ich sehr viel lesen und mir die entsprechende Fachsprache aneignen, um sie in die Figurenrede einzubringen.
Mein Personal kauderwelscht gern rum.

Unter welches Genre fällt Ihr Buch?
Ich habe ein Ermittlerteam, das ich fortschreibe, auch wenn mein Ich-Erzähler kein Ermittler ist, den ich aber auch fortschreibe. Mein Fall wurde noch nicht gelöst im ersten Buch, was einige Leser schmerzlich vermissten.
Harry Weingarten ist jetzt ein Cold Case.

Wie lautet die Dreisatzzusammenfassung Ihres Buches?
Die kann ich leider momentan nicht liefern, da sie mir durch die Bekanntgabe Papst Benedikts XVI, von seinem Amt zurückzutreten, mutwillig und kurzfristig zerstört wurde.

Einstweilen reicht vielleicht eine plotunabhängige Textprobe:

28. September
Von: Harry.Weingarten@yahoo.de
An: Gunda.Reiman@freenet.de
Liebe Gunda,
Miriam war die letzten beiden Male allein in der Paartherapie? Richtig!
Aber nein, ich blockiere nicht gegen die Paartherapie. Ich hatte nur sehr viel zu tun in der letzten Zeit. Und da ich die Therapie als ein eher l a n g f r i s t i g e s Projekt sehe …
Mir ist klar, dass ich mehr Zeit in die Beziehung investieren muss.
Wenn Miriam aber, wie sie sagt, einen gewissen Lebensstandard zu Hause haben möchte, muss ihn ja auch irgendwer erwirtschaften. S i e tut es jedenfalls mit ihrem Online-Antiquariat nicht. ;-)
Herzliche Grüße!
Harry

Welche Schauspieler sollten Ihre Charaktere in einer Filmumsetzung spielen?
Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass man diesen Krimi verfilmen könnte, das müsste auf Voice-over die ganze Zeit herauslaufen … Versuchen wir es nur so: Ich möchte Tom Cruise nicht darin sehen.

Werden Sie Ihr Buch selbst verlegen oder wird es vertreten durch einen Agenten?
Ich werde durch die Literaturagentur Michael Meller, München, vertreten.

Wie lange haben Sie gebraucht, um den ersten Entwurf Ihres Manuskripts zu schreiben?
Zwei Monate. Für die Korrektur brauchte ich die gleiche Zeit. Dann kamen noch einige Durchgänge mit Testlesern und viele Durchgänge mit der Lektorin Eva „Engelsgeduld“ Weigl vom Bookspot Verlag. Ich schätze, die letztendliche Version war die sechste.

Welche anderen Bücher würden Sie mit Ihrem Genre vergleichen?
Mein Buch ist ein Krimi aus der Täterperspektive in Tagebuchform. Alles, was so ähnlich ausschaut, geht vermutlich in die Richtung.

Was sonst über Ihr Buch könnte das Interesse des Lesers wecken?
Wer auf Internet Lust und Laune hat, dem gefallen vielleicht meine Sachen. Es kommt viel Facebook, Twitter, Blogs, Onlineplattformen darin vor. Ich erzähle aber auch ganz normale Dinge. Ein gewisser Wahn ist immer dabei, der ist mein Antrieb.

Möchten Sie andere Autoren für das Interview nominieren?
Gern, ich werfe das Stöckchen Susanne Kronenberg, Eva Lirot und Hughes Schlueter zu, mit denen ich letztes Jahr ein schönes Wochenende in Luxemburg verbracht habe, sowie der Kollegin Sophie Sumburane vom CULTurMAG.

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In der Raststätte an der Autobahn stehen zwei Lastwagenfahrer,

der eine Typ Vitalij Klitschko, der andere Mike Tyson. Ich will nur einen Kaffee holen und gleich weiterfahren und frage nach Kleingeld.
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Lesungen Christiane Geldmacher

17. Februar 2013, 11.00 Uhr, Krimitag in Frankfurt
Zusammen mit dem „Syndikat“ veranstaltet Kultur & Bahn e.V. in der monatlichen „LiteraturLounge“ diese Veranstaltung.

Lesung mit: Dietrich Faber, Christiane Geldmacher, Susanne Kronenberg, Ulrike A. Kucera, Richard Lifka. Moderation: Lothar Ruske

14. März 2013, 15.00 Uhr, Buchmesse Leipzig
Literaturcafé, Halle 4, Stand B 600
Zuvor bin ich am Stand des Bookspot Verlags von 13.45 Uhr – 14.45 Uhr, in Halle 4 /Stand B302 und stehe für Gespräche, Kontakte, Buchsignierung etc. zur Verfügung

Die Literaturveranstaltung „Erzählzeit ohne Grenzen“ mit dem Thema „Alles Liebe!?“ findet vom 6. – 14. April 2013 im Raum Hegau und Schaffhausen statt.

9. April 2013, 20.00 Uhr, Erzählzeit Singen
Bergtrotte Osterfingen
CH-8218 Osterfingen b. Wilchingen

10. April 2013, 20.00 Uhr, Erzählzeit Singen
Aula Primarschulhaus Stumpenboden, Erlenstr. 4
CH-8245 Feuerthalen

Außerdem zwei Lesungen in Schulen der Umgebung.

Criminale 2013 in der Schweiz, Lesung mit Oskar Feifar und Nina George

Freitag, 19. April, 19.00 Uhr
Gasthof Löwen,
CH- 4917 Melchnau

Kulturtage Rheingauviertel-Hollerborn Wiesbaden, findet eine Krimilesung unter dem Titel “Mord im Rheingauviertel” statt, zusammen mit Karsten Eichner in der Gaststätte “Weinländer”.
Moderation: Alexander Pfeiffer.

Mittwoch, den 19.6. um 20:00 Uhr im “Weinländer”,
Rüdesheimerstr. 21, 65185 Wiesbaden

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Sehen Sie den Leuten nicht bei der Arbeit zu.

„Wenn Sie für irgendein Produkt Werbung machen, sehen Sie sich nie die Fabrik an, wo es hergestellt wird … Sehen Sie den Leuten nicht bei der Arbeit zu … denn, sehen Sie, wenn Sie die Wahrheit über irgendetwas wissen, die wirkliche innerste Wahrheit, dann ist es sehr schwer, die oberflächliche Schaumschlägerei zu schreiben, durch die es verkauft wird.“
Helen Woodward, Werbetexterin aus den 20er-Jahren

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Salinger auf der Flucht

Er erreicht auf der nach oben offenen Pynchon-Skala einsame Höchstwerte: Seit 1965 bis zu seinem Tod hat sich J.D. Salinger aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Es gab keine Veröffentlichungen, so gut wie keine Interviews, keine Pressekonferenzen, keine Lesungen, keine Fotoshootings, keine gewichtigen Äußerungen zu gewichtigen Themen. Kenneth Slawenski wirft nun in seiner Biografie einen Blick auf „Das verborgene Leben des J. D. Salinger“. Eine, natürlich, sehr ambivalente Angelegenheit, finde ich auf CULTurMAG.

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Lesung in Frankfurt/Main

Lesung in der >>>LiteraturLounge Frankfurt
am Sonntag, 17. Februar 2013, um 11.00 – ca. 12.30 Uhr, zum Krimitag in Frankfurt. Eine Benefizveranstaltung für KiBitz, Förderverein der Zentralen Kinder- und Jugendbibliothek e.V., Frankfurt.

Hessische Krimiautoren lesen aus ihren Werken.
Moderation: Lothar Ruske

Initiiert vom „Syndikat“ (Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur), nimmt auch Kultur & Bahn an dem „Krimitag“ teil.

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